DSLV-Pressemitteilung: DSLV-Mitgliederversammlung 2026: Erholung unter Vorbehalt – Logistikbranche fordert konsequente Reformen für den Standort Deutschland
Die deutsche Speditions- und Logistikbranche zeigt nach dem schwierigen Jahr 2025 erste Anzeichen einer Stabilisierung der Auftragslage. Trotz zuletzt gestiegener Umsatzerwartungen kann von nachhaltigem Wachstum jedoch noch keine Rede sein. Die eigentlichen Belastungsfaktoren liegen weniger auf der Nachfrageseite als in den strukturellen Standortproblemen Deutschlands. Auf seiner Mitgliederversammlung am 2. Oktober 2026 fordert der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik von der Bundesregierung konsequente wirtschafts-, arbeitsmarkt- und sozialpolitische Reformen und verlässlichere Standortbedingungen.
Nachdem das Geschäftsklima in der Spedition laut ifo-Konjunkturtest im April 2026 infolge des Iran-Kriegs und des Ölpreisschocks eingebrochen war, hat sich die Branche im Sommer merklich erholt. Sie folgt damit grundsätzlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, reagiert aber empfindlicher auf Kostensprünge, etwa bei den Kraftstoffpreisen. „Die Wachstumsimpulse kommen überwiegend aus internationalen Märkten und weniger aus der deutschen Volkswirtschaft“, sagt DSLV-Präsident Axel Plaß. Während nationale Transportmärkte weiterhin unter der schwachen Binnenkonjunktur leiden, stabilisieren internationale Verkehre, see- und luftfrachtnahe Dienstleistungen sowie die Kontrakt- und Lagerlogistik die Branche.
Doch auch das vergleichsweise wachstumsstarke Seefrachtgeschäft steht aktuell unter Druck. Für Speditionen, Reedereien und Häfen wird es zunehmend schwieriger, zwischen politischen und wirtschaftlichen Machtblöcken Kurs zu halten. Darin waren sich die Branchenvertreter auf der gestrigen Seefrachtkonferenz des DSLV mit mehr als 200 Teilnehmern im Vorfeld der DSLV-Mitgliederversammlung einig. Handelspolitische Verwerfungen und gestörte Seeverkehrswege verändern die globalen Warenströme. Frachtraten schwanken stark, Häfen sind überlastet, und Transportrouten ändern sich kurzfristig. Dass Lieferketten dennoch weitgehend funktionieren, ist vor allem der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen zu verdanken. Die Kosten für Alternativrouten, Energie, Sicherheit und für die Erfüllung regulatorischer Anforderungen steigen jedoch spürbar.
Die negativen Folgen globaler Krisen für Unternehmensstrategien und das operative Geschäft wirken umso stärker, je ungünstiger die Standortbedingungen sind. Für die Logistik kommt es dabei wesentlich auf die Verkehrsinfrastruktur an. Mit Blick auf den Bundeshaushalt 2027 fordert der DSLV deshalb, das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität nicht als Ersatz für reguläre Haushaltsmittel zu nutzen. DSLV-Präsident Axel Plaß: „Jeder Euro aus dem Sondervermögen muss in zusätzliche Investitionen fließen. Die Wirtschaft braucht keine Haushaltskosmetik, sondern einen Modernisierungsschub für Deutschlands Infrastrukturen für Verkehr, Digitalisierung und Energie.“
Trotz der Unsicherheit stellen sich die Speditionshäuser zukunftsfest auf und investieren erheblich – in Digitalisierung und Automatisierung, in emissionsarme Antriebe und Prozesse und in energieeffiziente Standorte. Dafür braucht es einen technologieoffenen Ordnungsrahmen und wettbewerbsfähige Energiepreise.
„Politik kann nicht jede Krise verhindern, aber sie muss dafür sorgen, dass der Standort Krisen besser verkraftet“, mahnt der DSLV-Präsident. „Genau daran fehlt es“. Ob Ölpreisexplosion oder Niedrigwasser: Die Politik konzentriert sich zu sehr auf kurzfristige Entlastungen, anstatt die strukturellen Probleme entschlossen anzugehen. „Es gibt zahlreiche Reformversprechen. Was fehlt, ist die politische Konsequenz bei der Umsetzung“, kritisiert Plaß. „Solange hohe Energie- und Lohnnebenkosten, Bürokratie, Infrastrukturdefizite und Fachkräftemangel fortbestehen, droht der beginnenden Erholung schnell wieder die Kraft auszugehen.. Wir brauchen keine Reformdebatten mehr, wir brauchen jetzt Reformgesetze.“
Quelle: DSLV