VVWL Logo
Zur Artikel-Übersicht

DSLV-Pressemitteilung: Niedrigwasser bedroht industrielle Lieferketten – DSLV fordert Investitionen in resilientere Verkehrsinfrastrukturen

Das anhaltende Niedrigwasser setzt die Logistikbranche und industrielle Lieferketten stark unter Druck. Sinkende Pegelstände schränken die mögliche Zuladung von Frachtschiffen massiv ein und erschweren damit den Transport großer Mengen an Rohstoffen, Vorprodukten und Fertigwaren. Besonders betroffen ist der Rhein als zentrale europäische Verkehrsachse. Speditionen und Logistikdienstleister müssen täglich viele Transporte neu organisieren, um die Versorgung von Industrie, Handel und Verbrauchern weiterhin sicherzustellen.

Das aktuelle Niedrigwasser übertrifft die Rekordwerte von 2018 bereits an mehreren Messstellen und droht, wieder spürbare Bremsspuren in der deutschen Volkswirtschaft zu hinterlassen. Aufgrund geringer Fahrrinnentiefen können viele Schiffe nur noch mit deutlich weniger Ladung fahren, teilweise mit nur noch einem Fünftel ihrer üblichen Traglast. Betroffen sind nicht nur Güter, die traditionell in großen Mengen per Binnenschiff transportiert werden – darunter Mineralölprodukte, Chemikalien, Stahl, Baustoffe, Agrarprodukte sowie zahlreiche Vorprodukte für die Industrie. Auch Containerverkehre leiden stark unter den Einschränkungen. Container und Massengüter können von den großen Seehäfen im Raum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA) nur verzögert oder in kleineren Mengen weiterbefördert werden. Dadurch verlängern sich Lagerzeiten, Umschlagkapazitäten werden knapper und ganze Transportketten müssen kurzfristig neu organisiert werden.

„Das Niedrigwasser ist ein schwerer Rückschlag für die deutsche Industrie, die sich zaghaft aus der Konjunkturkrise herausarbeitet. Die Logistikbranche tut alles Mögliche, um industrielle Lieferketten aufrechtzuerhalten. Speditionen disponieren Transporte täglich neu, verlagern Güter mit enormem Aufwand von der Wasserstraße auf Bahn und Lkw, buchen zusätzliche Lagerflächen und koordinieren komplexe Umläufe zwischen Häfen, Industrie und Handel. Die Ausweichmöglichkeiten sind sehr begrenzt, weil auch Schiene und Straße wegen Infrastrukturmängeln und zahlreicher Baustellen überlastet sind. Entlang der gesamten Lieferkette entstehen erhebliche Zusatzkosten. Reedereien erheben sogenannte Kleinwasserzuschläge; Frachtraten steigen rasant an, da mehr Schiffe für dieselbe Menge Güter benötigt werden. Hinzu kommen Mehraufwendungen für die Lagerlogistik. Diese Mehrkosten treffen zunächst die Logistikunternehmen und ihre Kunden und wirken sich zunehmend auf die gesamte Wirtschaft aus“, erklärt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster.

Die aktuellen Engpässe machen deutlich, dass die Wasserstraßen künftig viel schneller ausgebaut werden müssen. Die Vertiefung der Fahrrinne am Mittelrhein von 1,90 auf 2,10 Meter ist im Bundesverkehrswegeplan seit nunmehr 34 Jahren als Projekt des „vordringlichen Bedarfs“ eingestuft. Auf das Umsetzungstempo hatte dies bisher kaum Auswirkungen. Dass mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz ausgewählte Wasserstraßen-Ausbaumaßnahmen in das „überragende öffentliche Interesse“ gestellt wurden, ist ein wichtiger Schritt. Dieses Bekenntnis muss nun auch finanziell unterlegt werden.. Im Bundeshaushalt 2027 und in den kommenden Haushalten müssen ausreichend Mittel für die Bundeswasserstraßen bereitstehen.
 
Gleichzeitig müssen multimodale Umschlagkapazitäten zwischen Wasserstraße, Schiene und Straße ausgebaut werden, damit Güterströme künftig flexibler verteilt werden können. „Die Leistungsfähigkeit der Logistik beruht auf einem engen Zusammenspiel aller Verkehrsträger. Die Logistikbranche kann kurzfristige Störungen bewältigen, aber fehlende Infrastrukturkapazitäten nicht dauerhaft ausgleichen. Das deutsche Verkehrssystem muss insgesamt widerstandsfähiger werden“, fordert Huster.