Jahresauftakt der Logistik in Hamm: Volles Haus und Ausblick auf 2026
Rund 170 Teilnehmende aus der Logistikbranche waren der Einladung zum Jahresauftakt der Logistik in Hamm gefolgt. Ralf Düster (Steuerungsgremium Kompetenznetz Logistik.NRW / Vice President Customer Solutions Rhenus Group) begrüßte die Gäste und dankte dem Innovationszentrum Hamm IZH im Parazelsuspark für die Gastfreundschaft. Unter der Moderation von Kompetenznetz-Manager Peter Abelmann kamen Stefan Peltzer (IHK Dortmund), Elena Otto-Erley (Entwicklungsagentur für nachhaltigen Güterverkehr GmbH) sowie Hamms Oberbürgermeister Marc Herter zu einem Begrüßungstalk zusammen.
Oberbürgermeister Marc Herter bezeichnete die Trimodalität von Straße, Schiene und Wasserstraße als kennzeichnend für Hamm als das östliche Tor zum Ruhrgebiet. Stefan Peltzer betonte, dass Logistik stets eng mit Infrastruktur zusammenhänge. Flächen für die Branche bereitzustellen und Bundesstraßen zu Autobahnen zu entwickeln, benötige in der Praxis durchaus Mut. Elena Otto-Erley hob hervor, dass die Bündelung von Interessen zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Industrie, Handel und Logistik ein zentraler Erfolgsfaktor sei. Themen wie Lösungen für die Letzte Meile oder Anwendungsforschung im Bereich Wasserstoff gehörten aus ihrer Sicht zwingend dazu.
Ideenwettbewerb LogistiKids: Preisverleihung mit Ministerin Mona Neubaur
Ein zentraler Programmpunkt war die traditionelle Preisverleihung des Ideenwettbewerbs LogistiKids. Mona Neubaur (Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen), Ocke Hamann (Fachpolitischer Sprecher Verkehr und Mobilität IHK NRW) und Peter Abelmann führten durch den Programmpunkt.
Neubaur erklärte, sie sei nach deswegen gerne Schirmfrau des Wettbewerbs, weil in der Logistik gute Arbeitsplätze angeboten würden – in einem spannenden Markt mit Zukunft. „Wir wollen dabei unterstützen, dass der Logistik ausreichend und gut qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen.“ Mit dem Nordrhein-Westfalen-Plan sei zudem eine Investitionsgarantie verankert worden: Über zwölf Jahre hinweg würden zusätzliche Mittel in Höhe von 31 Milliarden Euro für die Infrastruktur bereitgestellt. Darüber hinaus solle das Mobilfunknetz erheblich verbessert, die Digitalisierung in der Verwaltung vorangetrieben und ein Staat geschaffen werden, der „einfach funktioniert“. Neubaur machte deutlich: „Logistik ist nicht eben etwas am Rande, wir sind vielmehr Logistikdrehscheibe, wir sind davon abhängig.“ Wenn bei Projekten wie dem kommende Logistik-Hub in Hamm 170.000 Lkw-Fahrten auf die Schiene verlagert werden, käme das neben der Umwelt auch der Straße zugute. Ziel sei es auch, die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen widerstandsfähiger zu machen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund zunehmender Cyberangriffe, durch die bereits heute jedes Jahr Schäden in mehrfacher Milliardenhöhe entstünden. Unternehmen benötigten insbesondere Planungssicherheit, um gute Arbeitsplätze anbieten und die Herausforderungen der Antriebswende meistern zu können. Besonders betonte die Ministerin nochmals ihre Wertschätzung der Branche: „Ich habe großen Respekt, dass Sie in dieser wirtschaftlich schweren Lage kämpfen; Sie haben das Recht, auch von mir zu erwarten, dass wir uns für ein Logistikland NRW einsetzen.“
METRO-Logistikstandort Hamm: Transformation und Bedeutung für NRW
In einem weiteren Beitrag stellte Arnd Stoehr (METRO LOGISTICS Germany GmbH) den METRO-Logistik Hub für Nordrhein-Westfalen vor. METRO sei seit über 20 Jahren mit einem Zentrallager (insg. 50.000 qm Fläche) in Hamm vertreten. Seit 2017 komme Marl mit insgesamt 235.000 qm Lagerfläche hinzu. NRW stelle somit das logistische Zentrum und Drehkreuz der METRO in Deutschland da. Von hier werden alle 110 METRO-Märkte in Deutschland beliefert. Stoehr schilderte die Transformation des Unternehmens vom Handelsriesen hin zum reinen Großhandel mit weltweit über 30 Milliarden Euro Umsatz. Die zentrale Lage ermögliche eine schnelle Belieferung der Ballungsräume – insbesondere durch die direkte Anbindung an die Autobahnen A52 und A43 sowie über das Rhein-Ruhr-Terminal in Duisburg.
Podiumsdiskussion: Ausblick auf das Logistikjahr 2026
Den inhaltlichen Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion zum „Ausblick auf das Logistikjahr 2026“. Ralf Düster, Horst Kottmeyer (Geschäftsführender Gesellschafter Kottmeyer GmbH & Co. KG, Int. Spedition / Vorsitzender Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e.V.) und Gökay Bostanci (Director Supply Chain Management, NEW YORKER SUPPLY CHAIN MANAGEMENT) diskutierten unter der Moderation von Dr. Christoph Kösters (Manager Kompetenznetz Logistik.NRW / Hauptgeschäftsführer Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e.V. – VVWL) zentrale Herausforderungen und Erwartungen für die Branche.
Horst Kottmeyer betonte den guten Austausch mit dem Wirtschaftsministerium. In Ministerin Mona Neubaur habe man eine exzellente Ansprechpartnerin, mit der sich die Themen offen und in der nötigen Tiefe diskutieren ließen. Ralf Düster pflichtete bei: Es sei wichtig, Themen gemeinsam anzugehen und in der Ministerin eine echte Partnerin zu wissen. Gökay Bostanci ergänzte, NRW müsse verstärkt in Multimodalität investieren, da ansonsten operativ Probleme bei Produktivität und Effizienz drohten. Aufgabe sei es, ökologisch notwendige Maßnahmen mit ökonomischen Vorteilen zu verbinden, dabei müsse die Supply Chain konsequent „end-to-end“ betrachtet werden.
Fachkräfte, Kosten und Standortfragen: Erwartungen an die kommenden Monate
Mit Blick auf 2026 machte Bostanci deutlich, dass die Ansprüche an die Logistik stetig weiter steigen und damit auch die Kosten. Für Unternehmen sei dies eine große Herausforderung. Zudem nehme der Wettbewerb um Fachkräfte weiter zu, so dass Lohnsteigerungen künftig zu einer Standortfrage werden könnten. Ralf Düster verwies darauf, dass bei den östlichen Nachbarn eine deutlich größere Aufbruchsstimmung zu spüren sei – eine Dynamik, die man auch in Deutschland wieder schaffen müsse. Horst Kottmeyer unterstrich, dass die Logistikbranche in den vergangenen Jahren geliefert habe, nun jedoch weitere Unterstützung benötige. „Ich habe mittlerweile Angst davor, dass unsere Branche den Anforderungen nicht mehr vollständig gerecht werden kann, wenn die Wirtschaftslage sich wieder normalisiert“, mahnte Kottmeyer. Personalgewinnung müsse stärker in den Fokus rücken; hierfür brauche es politische Unterstützung – etwa durch Erleichterungen bei der Rekrutierung aus Drittstaaten sowie staatliche Förderungen. Die Bundesrepublik sei dabei eher mit einem Supertanker zu vergleichen, der sich nicht beliebig schnell beschleunigen oder drehen lasse; in seiner Hoffnung auf eine schnelle Wirtschaftswende sei der Kanzler zu optimistisch gewesen. Düster kritisierte zudem, es sei international peinlich, wenn Deutschland dazu beitrage, dass ein 25 Jahre ausgehandeltes Abkommen wie Mercosur in letzter Sekunde gestoppt werde. Zugleich sei auch gesellschaftlich Handlungsbedarf erkennbar, wenn täglich rund 600.000 Pakete mit chinesischer Billigware den deutschen Markt überfluteten. Bostanci verwies darauf, dass die Politik Unternehmen unterstützen müsse, sich stärker mit Effizienzpotenzialen auseinanderzusetzen. Die Marktperspektiven in der Handelslogistik seien weiterhin durch hohe Preissensibilität geprägt. Globale Krisen – wie der Angriffskrieg auf die Ukraine oder der israelisch-palästinensische Krieg – verstärkten zudem eine anhaltende Verunsicherung.
Antriebswende: Rahmenbedingungen und Planungssicherheit entscheidend
Zum Thema Antriebswende betonte Kottmeyer, der politische Druck sei zwar gesenkt worden, dennoch wollten viele mittelständische Unternehmen alternative Antriebe einsetzen. In der Praxis hänge es jedoch fast vom Zufall ab, ob ein Standort an das Mittelspannungsnetz angeschlossen sei und ob entsprechend viele Ladepunkte realisiert werden könnten. Planungssicherheit schaffe die Mautbefreiung bis 2031. Wenn Kundinnen und Kunden die höheren Investitionen jetzt durch verlässliche langfristige Bindungen und entsprechende Frachten honorierten, habe die Antriebswende eine Chance. Bostanci ergänzte, im B2C-Segment seien Kundinnen und Kunden häufig noch zu preissensibel, um ökologische Investitionen finanziell zu honorieren.
Im Anschluss an das Programm nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken bei einem Imbiss.