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NetzwerkForum SchifffahrtHafenlogistik.NRW am 5. September 2022 in Duisburg:
Energetische Transformation und Resilienz durch technologieoffene Ansätze, Zusammenarbeit in der Logistik und Schulterschluss mit der verladenden Industrie

Duisburg, 5.9.2022 - Nach 2 Jahren wieder in Präsenz begrüßte Dr. Christoph Kösters, Manager des Kompetenznetzes und Hauptgeschäftsführer des Verbandes Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) NRW e. V., am 5. September 2022 rund 70 Entscheider aus Schifffahrt, Häfen, Logistik und der Industrie für die beiden Veranstalter, das Kompetenznetz Logistik NRW mit seinem Trägerverein LOG-IT-Club e.V. und den VVWL. Thema des Forums 2022 war: Mobilitätswende und resiliente Lieferketten in der Logistik. Dr. Christoph Kösters betonte zusammen mit Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg, dass die Binnenschifffahrt im Gegensatz zum Verkehrsträger Schiene noch über ausreichend freie Kapazitäten verfüge, jedoch selber mit einigen Problemen wie dem Niedrigwasser zu kämpfen habe. Die Bekämpfung von Niedrigwasserereignissen mit smarten Wasserbaumaßnahmen gehöre deshalb an prominente Stelle der politischen Agenda des Landes NRW. Zudem würden die Vorteile der Binnenschifffahrt seit Jahren durch die enormen, teilweise tagelangen, Wartezeiten in den ZARA-Seehäfen verspielt. Hierdurch verliere die Binnenschifffahrt nicht nur viel Zeit, sondern auch das Vertrauen in die Verlässlichkeit – und zwar unverschuldet. Es müssten dringend nachhaltige Lösungsansätze mit den Seehäfen, Terminalbetreibern und Reedereien diskutiert und gefunden werden. Abschließend bemerkt Dr. Kösters eine Unwucht des Wettbewerbs in der maritimen Logistik durch fortschreitende Konzentrationsprozesse begünstigt durch die EU-Gruppenfreistellungsverordnung für Seeschifffahrtskonsortien. Es sollte die Forderung des Weltverbandes der Spediteure FIATA zur Wiederherstellung eines ausgewogenen und fairen maritimen Marktumfeldes unterstützt werden.

Als langjähriger Kooperationspartner des Forums und Mitglied des Kompetenznetzes Logistik.NRW forderte Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg, in seiner Begrüßungssrede mehr Tempo für die Prozesse in Planung, Genehmigung oder Bau, um die Leistungsfähigkeit des Systems Wasserstraße zu sichern. Zudem müsse unbedingt in den Nachwuchs investiert werden. In nahezu allen Bereichen der maritimen Wirtschaft und Logistik fehle es an Fachkräften. Die Chancen für den Transport mit dem Binnenschiff sollten früh vermittelt werden, beispielhaft sei hier das Projekt „Quinwalo Plus“ der Schifferbörse zu Duisburg.

Reale Dekarbonisierungsoptionen für den Güterverkehr und Beiträge alternativer Verkehrsträger behandelten in Form von Praxisberichten zwei Manager der Rhenus SE-Gruppe zum einen für den Verkehrsträger Straße und zum anderen für die alternativen Verkehrsträger Binnenschifffahrt und Schiene. Beide Referenten stimmten überein, dass die Bestrebungen zur Dekarbonisierung technologieoffen gestaltet werden müssen. Ein Allheilmittel gebe es nicht und eine Antriebsquelle wie die Elektrizität werde es alleine nicht schaffen, vielmehr werde es ein Mix verschiedener Technologien geben (müssen).

Für Heinrich Kerstgens, Corporate Representative, Director Board Projects Rhenus SE & Co. KG, ist die Binnenschifffahrt nicht mehr der alleinig unangefochtene grüne Verkehrsträger. Sie müsse nach jüngsten Berechnungen seit 2020 sogar aufholen gegenüber der Bahn. Dabei seien als erster Einstiegs-Ansatz insbesondere hybride Antriebsarten interessant. Dem Klimawandel als weitere Herausforderung der Binnenschifffahrt müsse durch wirtschaftlich vernünftige und klimaresiliente Infrastrukturmaßnahmen wie der Mittelrheinvertiefung begegnet werden. Hier ginge es viel zu langsam voran. Hilfreich seien ebenfalls flachgehende Schiffe durch Leichtbau, die selbst bei starkem Niedrigwasser immer noch ca. 1000 t transportieren könnten. Diese Kapazität stelle immerhin ein Volumen dar, das vergleichbar ist mit einem Güterzug. Für die Bahn sei insbesondere die „letzte Meile“ schwierig. Durchaus eine Alternative für einen ersten Ansatz seien als Kraftstoff Pflanzenöle als Biodiesel (Hydrogenated Vegetable Oil – HVO). Das könne allerdings keine Dauerlösung sein, denn pflanzliche Ressourcen sind begrenzt. Daneben werden in Schifffahrt und Bahn derzeit die gängigen Antriebsarten wie Wasserstoff, Hybridlösungen und Öko-Strom erprobt. Heinrich Kerstgens gibt im Forum einen Überblick über Alternativen und Erfahrungen hiermit. Öko-Strom sei allerdings bei fehlender Oberleitung auf Bahnstrecken im Schienengüterverkehr z.B. von und zu den Häfen schon heute eine Herausforderung.

Sascha Hähnke, Geschäftsführer Rhenus Transport GmbH & Co. KG, betont für den „grünen LKW“, dass eine gesicherte Versorgung durch „heimische“ Ladeinfrastruktur sehr wichtig sei. Sowohl für Strom als auch für Wasserstoff sei immer noch ein unzureichendes Angebot an Ladeinfrastruktur in Deutschland festzustellen. Wasserstoff sei eine gute Antriebsquelle, die aus wirtschaftlichen Aspekten künftig aber noch deutlich (preis-)günstiger werden müsse. Durchweg positiv bezeichnet Hähnke das Förderprogramm für klimaschonende Nutzfahrzeuge und Infrastruktur (KsNI) des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Bei der aktuellen Höhe der Förderung würde es Unternehmen leichter fallen, in eine neue grüne Technologie zu investieren. Wichtig sei, den richtigen Einsatz für die „grünen“ Fahrzeuge zu finden, denn Elektro-LKW seien weiterhin wegen der beschränkten täglichen Laufleistung nicht multifunktionell einsetzbar. Der Nahverkehr und intermodale Verkehr (Terminal und Vor-/Nachlauf) seien gute Optionen. Er fordert abschließend eine schnellere Forschung in sichere und alternative Antriebsarten. Wie schon sein Vorredner stellte Sascha Hähnke Anwendungen alternativer Antriebe an Standorten der Rhenus-SE-Gruppe und die gemachten Erfahrungen vor. Er spricht sich gerade mit Blick auf den Mittelstand und seine Möglichkeiten bei der energetischen Transformation auch für kooperative Ansätze aus. Zudem seien alternative Antrieb keine Glaubensfrage mehr, sondern angesichts der gesellschaftlichen Ziele und des politischen Umfelds trotz aller aktuellen wirtschaftlichen Dimensionen alternativlos.

Die Diskussionsrunde des diesjährigen Forums stand unter dem Motto „Herausforderungen und Lösungsansätzen einer resilienten Verkehrswende in 2022Plus.“ Hier diskutierten die beiden Referenten der Eingangsstatements zusammen mit Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG und Klaus Voussem, MdL – stv. Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion NRW.

Die Diskutanten waren sich einig, dass die großen Unternehmen in Spedition und Logistik für eine nachhaltige Umsetzung der Dekarbonisierung quasi als „Pioniere“ voran gehen müssen. Der Mittelstand habe nach Ausführungen von Sascha Hähnke bereits beim LNG ein Desaster erlebt. Klaus Voussem bekräftigt, dass die Politik die Unternehmen in ihren Dekarbonisierungsbemühungen nicht alleine lassen werde. Sie werde Rahmenbedingungen schaffen und die Wirtschaft zum Beispiel durch Förderprogramme unterstützen. Zudem gebe es viele Pilotprojekte in der Binnenschifffahrt, bei denen die Politik z.B. in NRW unmittelbar beteiligt sei.

Heinrich Kerstgens begrüßt etwaige Förderhilfen durch die Politik, stellt aber gleichzeitig fest, dass auch große Unternehmen Wirtschaftlichkeitsprüfungen in große Investitionen für alternative Antriebe vornehmen müssen. Markus Bangen stimmt diesen Ausführungen zu und betont, dass sich duisport als Global Player der Verantwortung für grüne Logistik bewusst sei und deshalb Wasserstofftankstellen auch für die Binnenschifffahrt geplant seien. Zudem strebe duisport klimaneutrale Terminals unter Verwendung der Blockheizkraftwerk (BHKW-)-Technologie an. In diesem Zusammenhang merkte er an, dass eine nachhaltige Verbesserung der CO2-Bilanz einen Mix verschiedener Einzelmaßnahmen erfordere und unterschiedliche Antriebstechnologien gleichermaßen zu fördern sind. Duisport verfolge wie die Hauptredner einen technologieoffenen Ansatz. Zudem sollte die Logistik für eine nachhaltige Verkehrswende zusammenarbeiten und den Schulterschluss mit der verladenden Industrie suchen. Gemeinsam könne mit der Politik schneller und nachhaltiger das Ziel einer Dekarbonisierung erreicht werden. Darüber hinaus müsse das System Wasserstraße im Vergleich zur Schiene in der Außenwahrnehmung besser werden. Die Deutsche Bundesbahn schaffe es weiterhin, die Öffentlichkeit in Bezug auf umweltfreundlichen Gütertransport besser zu besetzen. Die Realität sähe allerdings etwa angesichts der allgegenwärtigen Kapazitätsengpässen auf der Schiene und des tatsächlichen Antriebsmixes in Teilen des Schienengüterverkehrs anders aus. Klaus Voussem bestätigt, dass die Öffentlichkeit zu den Vorteilen der Binnenschifffahrt immer noch überzeugt werden müsse. Der Rhein sei ein Güterverkehrsgigant mit viel Kapazität. Deshalb würde die Politik in NRW einen Schwerpunkt auf den multimodalen Verkehr und der Planungsbeschleunigung legen. Gleichzeitig müssten Umweltverbände von der Notwendigkeit etwaiger wasserbaulicher Maßnahmen überzeugt werden.

Abschließend waren sich die Diskutanten einig, dass die Politik richtige Ansätze in verschiedenen Masterplänen und Aktionsprogrammen geleistet habe, jedoch die Wasserstraßenverwaltung des Bundes weiterhin nicht über ausreichend Personal zur schnellen Umsetzung dieser verfügt. Die Behörden seien zudem bei Genehmigungsverfahren überlastet. Klaus Voussem versichert, dass die Politik in NRW und in Berlin die Probleme erkannt habe. Die Diskutanten appellierten mit Nachdruck und einhellig, dass die Prozesse und Baumaßnahmen für eine resiliente Verkehrswende beschleunigt werden müssten – die Industrie (und auch die Logistik) werde langsam ungeduldig.

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