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NetzwerkForum: Klimaeffiziente Handelslogistik – Perspektiven, Chancen und Grenzen

Am 19. Februar 2020 fand in Hamm im Rahmen des Kompetenznetzes Logistik.NRW das Forum Handelslogistik im Zeichen der Klimaeffizienz statt. In seiner Begrüßung stellte Ralf Düster, Vorstand Setlog Holding AG / Vize-Präsident Log-IT Club e.V. klar, dass die Logistik bereit sei für die Aufgabe des Klimaschutzes, bewältigt werden könne sie aber nur, wenn alle an der Logistikkette Beteiligten Hand in Hand daran arbeiteten. Dabei sei auch die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in einem sehr heterogenen internationalen Standortwettbewerb und die Zukunft von Wertschöpfungsprozessen in Deutschland von großer Bedeutung. „Klimaeffizienz verlangt Denken in Prozessketten, wie wir Logistiker es gewöhnt sind. Klimaeffizienz fordert auch dort anzusetzen, wo ich die größten klimapolitischen Grenzerträge erzielen kann – das bedeutet einen globalen, zumindest internationalen Ansatz zu verfolgen, denn sonst können keine nachhaltigen Erfolge erzielt werden“, betonte Düster.

Ministerialdirigent Karl-Uwe Bütof, Abteilungsleiter „Innovation und Märkte“ im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen verglich die Herausforderung durch den Klimaschutz mit dem Atomausstieg Deutschlands: „Als dieser beschlossen wurde, wurden zahlreiche Stimmen laut, die sich dagegen aussprachen, die der Meinung waren, dass das nicht bezahlbar und generell nicht möglich sei“, erinnerte Bütof. Beim Klimaschutz könne man die gleiche Diskussion führen, ergänzt um die Frage, wie groß der Beitrag von NRW am CO2-Ausstoß denn überhaupt sei und wieviel eine Reduktion in Deutschland am globalen Aufkommen denn überhaupt ausmache. Als Wohlstandsnation seien wir jedoch verpflichtet, mit gutem Beispiel voranzugehen. „Wir wollen reale Möglichkeiten aufzeigen, wie das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden kann. Jeder Schritt, der dazu beiträgt, wie z.B. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung zur Vermeidung von Leerfahrten hilft dabei“, erläuterte er und verwies in dem Zusammenhang auch auf die Photovoltaikinitiative des Landes, die ein großes Potenzial aufgezeigt habe, da 40 % aller nutzbaren Dächer auf gewerblich genutzte Immobilien entfallen und so die großen Energieverbraucher direkt davon profitieren würden. „Wir müssen den Klimawandel dabei so gestalten, dass unsere Position als Logistikweltmeister dadurch nicht gefährdet wird“, sagte Bütof unter Applaus der Zuhörer.

Prof. Dr. Markus Nave, Professor des Fachbereichs „Technik und Wirtschaft“ / Professor für technische Logistik der SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft Hamm, erläuterte als Gastgeber des Forums die Struktur der SRH, die auch Supply Chain Manager ausbildet. Die SRH betreue derzeit zahlreiche Projekte rund um Energieeffizienz und alternative Energieträger, beispielsweise den Einsatz von Wasserstoffbrennstoffzellen in der Intralogistik.

Dr. Karl-Georg Steffens von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hamm mbH (WFH), freute sich, zum wiederholten Male das Forum Handelslogistik in Hamm begrüßen zu dürfen. Die WFH beteilige sich an Versuchen und der Förderung Grüner Logistik; so wurden von ihr jüngst mehrere Lastenräder für städtische Dienstfahrten organisiert, die stundenweise auch den Unternehmen am Standort zur Verfügung gestellt würden, um eigene Erfahrungen mit dem klimafreundlichen Transportmittel zu machen. Die WFH hat vor drei Jahren den Arbeitskreis Elektromobilität gegründet und seitdem den Auftrag von der Stadt, die Elektromobilität in Hamm zu fördern.

Zum Thema „Klimaeffizienz und Handelslogistikketten“ referierten Steffen Riedel, Leiter Logistik Eckes-Granini Deutschland GmbH und Jens Thomas Skuderis, Leiter SCM International – Transportlogistik Kaufland Stiftung & Co. KG, die Preisträger des ECR AWARD 2019 des EHI in der Kategorie Unternehmenskooperation Supply Side. Geleitet von der Fragestellung, wie ein nachhaltiger Effekt generiert werden kann, der nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Gesellschaft fördert, wurde durch enge Zusammenarbeit und gleichberechtigte Partnerschaft aller im Projekt Beteiligten Synergien erzeugt und Prozesse maßgeblich optimiert. Vorteile zeigten sich schnell: Aufgrund der optimierten Abläufe in Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten gebe es an den Kaufland-Lägern im Bereich Wareneingangsabwicklung keine Standzeiten mehr. Die Einführung des Vertrauenswareneingangs ohne Kontrolle durch Kaufland biete eine erhöhte Flexibilität und verbessere den Optimierungsgrad für den Logistikdienstleister. Nicht zuletzt sei durch bessere Auslastung und Vermeidung von Leerkilometern der CO2-Ausstoß signifikant gesenkt worden, so sei durch die Standortnähe der Kaufland-Lager zu Hennef eine Einsparung von 131 Leerkilometern pro Tour seitens Eckes-Granini Deutschland ausgeschöpft worden. Durchgeführt wurden im Jahr 2018 insgesamt 204 Transporte im Rundlauf. Dies entspreche ca. 43 % aller Transporte. Ziel ist die Ausweitung der Kooperation auf weitere Zentralläger, Prozessoptimierung und Reduktion des CO2-Ausstoßes. Durch Schaffung eines neuen Logistik GS1-Standards (ETA Zeit Standard) könne durch eine vorauseilende Informationslage auf volatile Veränderungen nicht mehr nur reagiert sondern pro aktiv agiert und dem Kundenbedarf entsprochen werden.

Andreas Reuther, Leiter Projekte und Logistikinnovationen, Fressnapf Logistik GmbH, berichtete, dass die Lieferketten des Unternehmens nunmehr komplett digitalisiert und in einer App abgebildet wurden, um die Effizienz sowohl hinsichtlich Kosten als auch CO2 zu steigern. In der App gebe es unter anderem die Möglichkeit, alle Prozesse in 27 Sprachen dem Fahrer zu verdeutlichen. Wenn ein Fahrer beispielsweise eine Best-practise-Lösung für Kollegen habe, könne diese für alle Kollegen verfügbar hinterlegt werden. Auch beim Personaleinsatz helfe die App, Prozesse innerhalb von Minuten zu verändern, wodurch beispielsweise Aushilfen sofort wüssten, wenn sie gebraucht werden.

Dr. Susanne Leifheit, Leiterin Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit VW Nutzfahrzeuge erläuterte, dass Nachhaltigkeit viel mehr sein müsse, als reine CO2-Einsparung, vielmehr müsse ein ganzheitlicher Ansatz inklusive sozialer, ökonomischer und ökologischer Belange gewählt werden. Dazu wurde die Konzernstrategie TOGETHER 2025+ erstellt, um als Gestalter, Vorreiter und Innovator in der Mobilität voranzugehen und dabei die Nachhaltigkeit mit Blick auf die nächsten Generationen im Auge zu behalten. Dr. Leifheit ging von steigenden Dieselfahrverboten in den kommenden drei Jahren aus und prognostizierte in Europa bis 2040 das „Aus“ der Verbrennungsmotoren, was der Konzern in seine Strategie eingearbeitet habe. Hinsichtlich alternativer Antriebsstrategien böten E-Motoren mit einer Effizienz von 80-90 % pro einzelnem Antrieb das höchste Einsparpotenzial, in der Fläche werde Wasserstoff jedoch eine erhebliche Rolle spielen, auch wenn Wasserstoff eine Energieeffizenz von „nur“ 40 % aufweisen würde. Dabei gab Dr. Leifheit zu bedenken, dass eine komplett klimaneutrale Gesellschaft allein über CO2-Reduktion nicht zu erreichen sei, dies gelänge nur durch zusätzliche Kompensationsmaßnahmen.

In der anschließenden Diskussion unter Moderation von Peter Abelmann, Manager Kompetenznetz Logistik.NRW sowie Prokurist der SCI Verkehr GmbH erörterten die Referenten die Möglichkeiten und Grenzen der Grünen Logistik. Dem Umstieg auf E-Lkw erteilte dabei Skuderis vorerst eine Absage: „Wir haben unsere Fahrzeuge bei 99 % der Ladefläche und bei 90 % der Nutzlast ausgelastet, wir können nicht sinnvoll auf kleinere Transporter umsteigen. Um den Warenausgang eines unserer Lager vollständig zu elektrifizieren, würden die vorhandenen Stromnetze und Kapazitäten nicht ausreichen.“ Dr. Leifheit ergänzte, dass derzeit im Alleingang noch kein Geld mit E-Mobilität verdient werden könne. Hierzu sei eine Kooperation unumgänglich und der Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit. Damit die eigenen Interessen in einer Kooperation bestehen können, müsste laut Reuther klar kommuniziert werden, welche Bedürfnisse jeder Kooperationspartner habe. Es könnten sicherlich nicht immer alle Bedürfnisse in einer Kooperation bedient werden, es würden jedoch immer Schnittmengen gemeinsam gelöst werden können. Auf Nachfrage aus dem Publikum, wie der Schienenverkehr eingebunden werde, fielen die Antworten unterschiedlich aus: Während Riedel mit dem österreichischen Schienenverkehr eine Verlagerung von Transporten von der Straße mit seinem Unternehmen realisieren konnte, stimmte er bezüglich des innerdeutschen Schienenverkehrs mit Skuderis überein, dass die mangelnde Flexibilität, die langen Laufzeiten und das hohe Preisniveau die deutsche Schiene gegenüber dem Lkw unattraktiv mache. Demgegenüber betonte Dr. Leifheit, dass der VW-Konzern 60 % mit der Bahn ausliefere und dies weiter steigern wolle. Neben weiteren Maßnahmen, wie beispielsweise der Anschaffung eines LNG-Schiffes werde VW Nutzfahrzeuge den Klimaausstoß einzelner Bauteile überwachen: „Die letzte Schraube sicherlich nicht, aber Teile wie Glas, Gummi, Batterien werden ein CO2-Label bekommen, welches von der Rohstoffförderung bis zum Recycling reicht.“

Über Möglichkeiten verbesserter Klimaeffizienz von Logistikimmobilien berichtete Christian Kühn, Geschäftsführer greenfield development GmbH. „Fehler, die heute bei der Konstruktion von Logistikimmobilien gemacht werden, können nur mit der Abrissbirne korrigiert werden“, betonte Kühn, da heute gefertigte Objekte bis ins Jahr 2080 genutzt würden. Darum sei ihm wichtig, dass Handelsimmobilien multifunktional nutzbar seien, so könnten beispielsweise in zehn Jahren Paletten durch andere Packmittel abgelöst werden, ohne gravierend in die Konstruktion des Bauwerks eingreifen zu müssen. Auch bei der Klimaeffizienz dürfe es darum nicht nur um die Bedarfe des Startnutzers in den ersten acht Jahren gehen und auch nicht nur die Klimabedingungen zum Bauzeitpunkt berücksichtigt werden. In der Praxis bedeute dies, dass u.a. von Anfang an eine hohe Dachlast, Bodenfestigkeit und eine maximale Dach- und Wandisolierung berücksichtigt werden müsse.

Über Klimaeffizienz hinsichtlich der Verpackung in der Handelslogistik berichtete Tobias Wenninger, Vorstand Vertrieb & Marketing TransPak AG: „Neben 2.600 Standardartikeln entwickeln wir auch individuelle Lösungen, so konnten wir mit Materialien wie Altpapier und Kartoffelstärke PU-Schaumverpackungen beim Kunden ablösen, ohne bei der Ladungssicherung weniger Sicherheit hinnehmen zu müssen.“ Anhand des Praxisbeispiels eines Fahrradversandhandels machte Wenninger deutlich, dass der Einsatz von Luftpolsterverpackung und Folie nicht nur um mehr als das Vierfache zeiteffizienter sein, sondern auch eine annähernde Halbierung der Schadstoffe und des Materialverbrauchs mit sich bringen kann. Es gelte immer, individuelle Lösungen zu finden und diese kontinuierlich zu verbessern.

Carl Georg von Buquoy, Leiter des Themengebietes Photovoltaik der EnergieAgenturNRW beleuchtete die wachsende Bedeutung der Photovoltaik für den Klimaschutz. Durch zahlreiche klimaschützende Maßnahmen, wie beispielsweise Elektromobilität und elektrische Raumwärmekonzepte werde trotz Einsparungen bei der herkömmlichen Nutzung und technische Entwicklung (wie z.B. der Austausch herkömmlicher Leuchtkörper durch LED-Beleuchtung) sich der Stromverbrauch annähernd verdoppeln. Deutschland müsse darum jede sinnvoll belegbare Fläche für Photovoltaik nutzen und den Energiegewinn auf 15 GW/a verdreifachen. Zusammen mit Wärmepumpen könne ein Eigenverbrauch im privaten Bereich von 60 % erreicht werden, der gewerbliche Eigenverbrauch sei jetzt schon deutlich höher und liege bei rund 85 %. Von Buquoy bedauerte, dass e-Mobilität fälschlicherweise dahingehend kritisiert werde, dass der CO2-Ausstoß und aufgrund des Kohleanteils im Strom sehr hoch sei. Selbst bei fossilem Strommix betrage die CO2-Einsparung eines elektrisch angetriebenen Pkw im „well-to-wheel“-Vergleich zum Dieselmotor rund 21 %, beim Einsatz von Photovoltaik stieg dieser Vorteil auf 92 % an.

In seinem Schlusswort dankte Dr. Christoph Kösters, Manager Kompetenznetz Logistik.NRW und Hauptgeschäftsführer Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e. V. (VVWL) den Referenten für die nachahmenswerten Beispiele aus ihren Unternehmen. Auch künftig werde das Thema Klima- und Umweltschutz in den zahlreichen Foren des Kompetenznetzes Logistik.NRW eine wichtige Rolle spielen.

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