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Vorsitzender der Wirtschaftsweisen zu Gast beim Nikolaustreffen

Die Landesverbände Spedition + Logistik sowie Möbelspedition und Logistik im Verband Verkehrswirtschaft und Logistik (VVWL) NRW e.V. hatten zu ihrem traditionellen "Nikolaustreffen" in diesem Jahr erneut einen hochkarätigen Redner zu Gast. Etwa 170 Unternehmensvertreter hatten am Nikolaustag 2019 in der Stadthalle Werl die einmalige Gelegenheit, den Vorsitzenden der fünf Wirtschaftsweisen, Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, kennenzulernen. Schmidt ist Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem er seit März 2009 angehört. Seine Arbeitsgebiete im Rat sind die Arbeitsmarkt- und Energiepolitik. Er ist Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen und Professor für Wirtschaftspolitik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum. Weiter forscht er zu Themen der angewandten Ökonometrie, nicht zuletzt im Bereich der Makroökonomik sowie der Energie-, Gesundheits- und Arbeitsmarktökonomik. Von 2011 bis 2013 war Schmidt Mitglied der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestages, die sich mit dem Wohlstandverständnis und der Wohlstandsmessung auseinandersetzte.

 

In Werl trug der Vorsitzende der "Fünf Wirtschaftsweisen" zum Thema “Eines langen Aufschwungs Reise in die Nacht? Perspektiven für die deutsche Wirtschaft Ende 2019.“ vor. Schmidt berichtete, dass sich die deutsche Wirtschaft im Abschwung befindet, der vor allem die Industrie trifft. Deutschland ist von der globalen Wachstumsverlangsamung, insbesondere im Bereich der Industrie, stark betroffen. Dabei spielt neben der Offenheit der deutschen Volkswirtschaft die starke Ausrichtung auf Investitionsgüter eine Rolle. Das Wirtschaftswachstum hat sich gegenüber den Vorjahren deutlich verlangsamt und liegt unterhalb der Potenzialrate. Dabei zeigt sich eine konjunkturelle Zweiteilung: während sich die Industrie in einer Rezession befindet, erweisen sich die Dienstleistungsbereiche bislang als robust. Allerdings gibt es auf dem Arbeitsmarkt erste Anzeichen für eine Abschwächung. Der kräftige Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre dürfte zu einem vorläufigen Ende kommen. Von einer breiten gesamtwirtschaftlichen Rezession ist derzeit jedoch nicht auszugehen.

 

Für das Jahr 2019 erwartet der Sachverständigenrat eine Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 %. Im kommenden Jahr dürfte diese dann 0,9 % betragen. Ohne den positiven Kalendereffekt ergibt sich für das Jahr 2020 ein Wachstum von nur 0,5 %. Damit hat der Sachverständigenrat seine Prognose im Vergleich zum März deutlich abgesenkt. Grund ist die besonders schwache wirtschaftliche Entwicklung im Sommerhalbjahr 2019. Für das kommende Jahr ist nur eine langsame Belebung der Konjunktur zu erwarten. Angesichts pessimistischer Geschäftserwartungen, einer schwierigen Auftragslage sowie hoher Unsicherheit dürften vor allem die Ausrüstungsinvestitionen kaum wachsen. Vom Außenhandel sind ebenfalls keine Impulse zu erwarten. Positiv dürfte sich dagegen der Konsum entwickeln. Hierbei kommt nicht zuletzt die positive Lohndynamik zum Tragen.

 

„Zur Förderung von Forschung und Entwicklung sollten steuerliche Anreize für junge Unternehmen geschaffen werden", forderte Schmidt. Außerdem sollte ein einheitlicher europäischer Binnenmarkt Zugang zu Technologie und Daten digitaler Geschäftsmodelle bieten und dabei regulieren, ohne die Innovation zu bremsen. Generell müsste eine leistungsstarke Forschungs- und Innovationspolitik auf europäischer Ebene die Basis hierfür bilden.

 

Am Arbeitsmarkt sieht Prof. Dr. Schmidt ungenutzte Potenziale in der Partizipation von Frauen, älteren Personen, Langzeitarbeitslosen sowie zugewanderten Fachkräften. Als weitere Herausforderungen nannte er die Steigerung privater und öffentlicher Investitionen sowie eine wirtschaftliche Koordination auf internationaler Ebene.

 

In seinem Vortrag gab der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen viele Denkanstöße, die er anschließend im Austausch mit den anwesenden Unternehmensvertretern weiter vertiefte.

 

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr fand auch beim diesjährigen Nikolaustreffen wieder ein Trialog der beiden Landesverbandsvorsitzenden Norbert Redemann und Jürgen Zantis mit dem Publikum unter Moderation von Dr. Christoph Kösters statt.

 

Norbert Redemann als Vorsitzender des Landesverbandes Spedition + Logistik äußerte sich zunächst zur aktuellen Diskussion um das stark beherrschende Thema Klimaschutzgesetz und Klimadebatte. Er kritisierte die von der Bundesregierung geplante CO2-Bepreisung, die zu einer Verteuerung von Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas ausschließlich in Deutschland führen würde: „Nutznießer hiervon wären vor allem ausländische Lkw, deren Anteil auf deutschen Straßen derzeit bei über 40 Prozent liegt." Jürgen Zantis, Vorsitzender des Landesverbandes Möbelspedition und Logistik, ergänzte, dass laut Eckpunktepapier der Bundesregierung ab 2023 zusätzlich zu den Dieselpreiserhöhungen die LKW-Maut ebenfalls um einen CO2-Aufschlag verteuert werden soll. Einig zeigten sich die beiden Vorsitzenden in der Forderung, dass nur ein Modell der CO2-Bepreisung gewählt werden sollte. Angesichts der Notwendigkeiten und vor Allem der Alternativen ist ein C02-Mautaufschlag nicht zuletzt aus Wettbewerbs- und Standorterhaltungsgründen aus Sicht der Vorsitzenden die bestmögliche Alternative.

 

Hinsichtlich der Klimaschutzpläne in NRW-Städten verbunden mit Dieselfahrverboten und der Klagepolitik der deutschen Umwelthilfe (DUH) machten beide Vorsitzende unisono ihre Verärgerung über die Umstände deutlich. Ein gutes Beispiel dafür ist die Rheinuferstraße in Köln. Im Zuge des Luftreinhalteplanes wurde diese für Lkw über 7,5 t gesperrt, obwohl dies eine der am besten belüfteten Straßenzüge Kölns ist und keine Überschreitungen der Grenzwerte aufzeigt. Jetzt müssen Vor- und Nachläufe des Niehler Hafens mit großen Umwegen über den staugeplagten Kölner Ring durchgeführt werden. In Folge erschwert und verteuert dies die Binnenschifffahrt. „Durch intensiven Einsatz des VVWL hat die Stadt Köln jetzt einen Streckenabschnitt von und zum Niehler Hafen für Euro-6-Lkw im Vor- und Nachlauf zum Hafen wieder freigegeben", erläuterte Redemann den aktuellen Sachstand. Zantis ergänzte als weiteres Negativbeispiel die Einrichtung von Umweltspuren in Düsseldorf.

 

Weitere Themen des Trialogs waren eine engere Zusammenarbeit der Bundesverbände, die Infrastrukturpolitik in NRW sowie der Fachkräftemangel. Im Ausblick auf das kommende Jahr zeigten sich die Vorsitzenden vorsichtig optimistisch. „Die Struktureffekte unsere Branche werden sich 2020 weiter zeigen", gab Zantis einen Ausblick durch die Möbelspeditions-Brille. Als vorherrschende Themen nannte er in der Umzugslogistik vor allem das Thema Unternehmensnachfolge und –übernahme, in der Neumöbellogistik die Konzentration auf Händlerseite und den Druck in der Möbelindustrie.

 

Nach diesen interessanten Vorträgen luden die Landesverbände Spedition + Logistik sowie Möbelspedition und Logistik gemeinsam mit den Sponsoren der Veranstaltung zum traditionellen Grünkohlessen in das Restaurant "Werlinger" der Stadthalle Werl ein. Dort klang die wieder einmal sehr informative Veranstaltung langsam aus.

 

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