Wir ebnen Wege.

Flüchtlingsdrama in Calais

Lampedusa vor der Haustüre

Dass der Güterverkehr mit Großbritannien derzeit zum Erliegen kommt, ist für die betroffenen Logistiker existenzbedrohlich – wirklich empörend ist dabei der Hintergrund: In Calais haben sich Hüttensiedlungen an der Zufahrt zum Hafen gebildet, in denen Flüchtlinge auf eine Überfahrt nach Dover warten – auf eine illegale Überfahrt, denn Großbritannien versucht, sich mit intensiven Kontrollen und strengen Einwanderungsbestimmungen gegen den Flüchtlingsstrom abzuriegeln. Wird ein Lkw kurz abgestellt und nicht bewacht, öffnen die Migranten die Ladefläche und verstecken sich zwischen den Paletten. Diese Situation besteht schon seit Jahren und das wissen die Zollbehörden, die mit Atemluftkontrollen und Röntgenaufnahmen gegen die illegale Einwanderung angehen. Auch die Logistiker haben ihre Lkw mit Vorhängeschlössern gesichert, ihre Fahrer angewiesen, ab Belgien bestimmte Rastplätze zu meiden und Checklisten zu führen, wie oft sie den Lkw nach einem kurzen Halt gründlich kontrolliert haben. Wer als Lkw-Fahrer diese Sicherheitsroutinen nicht anwendet und mit Flüchtlingen an Bord erwischt wird, ist sofort in den Augen der Einwanderungsbehörden ein Schleuser und Menschenschmuggler, natürlich mit drakonischen Strafen. Eine Unschuldsvermutung gibt es nicht, die Beweislast liegt beim Fahrer. Doch wie gesagt: Diese Situation besteht seit vielen Jahren und ist zum traurigen Alltag der Logistik geworden.

Bilder wie in einem schlechten Horrorfilm

Jetzt ist die Situation jedoch eskaliert: Dadurch, dass die Mitarbeiter einer Fährgesellschaft wegen einer Firmenübernahme streiken, kommt es zu endlosen Staus vor dem Hafen und der Zugverbindung durch den Eurotunnel, und die Lkw kommen so zum völligen Stillstand. Die schiere Anzahl der Flüchtlinge, die in Calais jetzt auf mehrere Tausend angewachsen ist, hat die Verzweiflung der Menschen so weit getrieben, dass jegliche Hemmungen weggefallen sind: Sie verstecken sich nicht mehr heimlich, sondern entern die Lkw regelrecht. Dutzende Menschen umzingeln am helllichten Tag die Fahrzeuge, brechen Ladetüren und Staukästen auf, schneiden sogar Löcher in die stabilen Dächer der Sattelauflieger. Reicht der Platz nicht, wird Ladung einfach auf die Straße geworfen. Die Fahrer haben längst aufgegeben. Wer sich wehren will, wird massiv bedroht – Hauptsache, man kann den Vorwurf der Mittäterschaft entkräften. Die einst beliebte Strecke über den Ärmelkanal ist für die Fahrer zum Alptraum geworden.

Flüchtlingsproblem ungelöst

Die Logistiker fühlen sich im Stich gelassen. Zwar hat auf Intervention unseres Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) die deutsche Regierung das Thema in Paris vorgebracht und dort das Versprechen erhalten, dass die Lage der Flüchtlinge gelöst werden soll – bei diesem Versprechen aus Frankreich ist es jedoch geblieben. Wir fordern, dass Europa endlich hinsieht und handelt. Die Fahrer dürfen nicht als schwächstes Glied in der Kette dazu missbraucht werden, dass im Europa des 21. Jahrhunderts eine Flüchtlingskrise einfach weiter ignoriert werden kann.

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